DOMMER

Sonderfarben im Digitaldruck - Was geht und wo liegen die Grenzen des Machbaren?

Posted by Christian Billmann on May 28, 2019 2:13:42 PM
Christian Billmann

child-3194978

Zuerst die gute Nachricht: in modernen Digitaldruckproduktionen lassen sich Sonderfarben sehr wohl umsetzen. Allerdings mit Einschränkungen. Welche das sind, wie sie im Digitaldruck erzeugt werden und wo es Sinn macht, Sonderfarben zu verwenden, obwohl eigentlich 4-farbig produziert wird, erfahren Sie in den nächsten paar Minuten.

Warum Sonderfarben verwendet werden.

Sonderfarben werden auch Spotfarben oder Schmuckfarben genannt. Sonderfarben sind eigens hergestellte Druckfarben, die einen genau definierten Farbton erzeugen sollen. So ist zum Beispiel sichergestellt, dass eine im Corporate Design eines Unternehmens festgelegte Farbe immer gleich dargestellt wird. Einer der größten Vorteile von Sonderfarben ist das mit ihnen Farben umgesetzt werden können die nur durch die Mischung von Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz gar nicht zu erzeugen sind.
Die im deutschen Sprachraum gebräuchlichsten Sonderfarben sind Pantone, HKS und RAL.

 

Und der Ärger beginnt

Sonderfarben werden durch unterschiedlichste und komplexe Farb- und Pigmentmischungen hergestellt. 

Sonderfarben gibt es ja gerade deshalb, weil sich damit grelle und leuchtende Farben erzeugen lassen, die im klassischen 4-farbigen Druck gar nicht zu erreichen sind. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.
Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz reichen bei vielen Sonderfarben nicht aus um die Farbe richtig zu reproduzieren. Das ist mal das Eine. Dann kommt noch das Problem dazu, dass es nicht ein Cyan, ein Magenta, ein Gelb und ein Schwarz gibt.
Die Tinten bzw. Druckfarben unterscheiden sich je nach Tintenhersteller, Digitaldruckverfahren und so weiter.


So sieht zum Beispiel ein reines Schwarz im Digitaldruck fast nie so aus, wie man sich ein sattes neutrales Schwarz vorstellt.
Bei der einen Maschine sieht das reine Schwarz eher warm und rötlich aus, bei der anderen vielleicht eher kalt und bläulich.
In modernen Digitaldruck-Workflows ist deshalb das Erzeugen eines neutralen Schwarz bei der Profilierung einer Digitaldruckmaschine einer der ersten Schritte. Um es einfach auszudrücken: immer wenn das RIP die Information 100% K (=Schwarz) bekommt, wird es durch vorher als neutral Schwarz definierte Werte ersetzt(z.B. 100% K ≙ 15% C + 13% M + 12% Y + 100% K).

 

Gehen jetzt Sonderfarben oder nicht?

Jetzt kommt sie, die schlimmste aller Antworten – "Es kommt darauf an!"
Wieso das so ist sieht man am besten in der Grafik.

Schauen wir uns das gesamte Spektrum der wahrnehmbaren Farben an, sieht man, dass der reproduzierbare Farbraum irgendwo innerhalb dieses Spektrum liegt.
Der reproduzierbare Farbraum unterscheidet sich aber zum einen von Druckverfahren zu Druckverfahren, Maschine zu Maschine und Tinte zu Tinte. Zum anderen hängt es auch ganz stark vom Talent und der Messgenauigkeit ab, mit dem das Profil erstellt wird.

FARBRAUM GRAFIK-01Wenn also eine Sonderfarbe innerhalb des Farbraumes liegt ist sie genauso zu reproduzieren, wie man sie sich vorstellt. - Ergo, Punktlandung!
Liegt die Farbe ausserhalb des Druck-Farbraumes, wird der rechnerisch am nächsten liegende Wert für die Sonderfarbe verwendet.
Der rechnerische Unterschied zwischen Soll-Wert und erreichbarem Wert bezeichnet man als Delta-E.
Ob und wie stark man diese Unterschiede sieht ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Pauschal kann man aber sagen das ein ΔE zwischen 1,0 und 2,0 als geringer Farbunterschiede wahrnehmbar ist. Auch für ungeübte Augen gut erkennbar sind Abweichungen zwischen 2,0 und 4,0.
Jeder Delta-E jenseits von 4,0 wird nur selten Toleriert. 

 

Keine bösen Überraschungen.

Damit Sie oder Ihr Kunde am Ende eines Projekts nicht geschockt sind, sollte man sich die beschriebenen Einschränkungen von Anfang bewusst machen. Sprechen Sie mit Ihrem Digitaldruck-Lieferanten gleich bei Projektstart die möglichen Sonderfarben durch und lassen Sie idealerweise Andrucke der von Ihnen benötigten Sonderfarben machen. 

In einem zeitgemäßen Digitaldruck-Workflow sollte jeder die Möglichkeit haben, Sonderfarben einzumessen. Andruckfelder mit Farbvariationen helfen Ihnen dabei selbst die für Sie am besten passenden Werte auszuwählen.
Diese Werte werden dann im Workflow hinterlegt und stellen sicher, dass Sie die bestmögliche Sonderfarbumsetzung bekommen.

Kleiner Tipp: Seien Sie vorsichtig, wenn jemand behauptet, alle gängigen Sonderfarben schon bei sich hinterlegt zu haben. Es stimmt zwar, dass Pantone- und HKS- Tabellen bereits schon Softwareseitig hinterlegt sind, diese haben aber oft gravierende Farbunterschiede (Delta-E > 3,0).
Der Mehraufwand, eine Sonderfarbe einzumessen und andrucken zu lassen lohnt sich. Ein guter Digitaldrucker wird immer noch einen Tick näher an das Wunschergebnis heran kommen, als es pauschal rechnerisch hinterlegt ist.


Wenn es sowieso umgewandelt wird, wieso dann nicht gleich 4-farbige Daten verwenden?

Sie können natürlich auch gleich Ihre eigenen CMYK-Werte verwenden. Dadurch beschränken Sie sich aber von Anfang an auf ein sehr viel kleineres Farbspektrum. Moderne Großformat-Digitaldruckmaschinen haben durch die Verwendung von mehr als vier Druckfarben und hochpigmentierte Tinten einen sehr viel höheren Spielraum als der klassische CMYK-Farbraum hergibt. Deshalb setzen bereis viele Digitaldrucker auf RGB-Workflows anstatt auf CMYK, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn Sie bis hier her aufmerksam gelesen haben wissen Sie jetzt aber auch, dass sich auch Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz oft deutlich voneinander unterscheiden. Nehmen wir mal an, dass Sie ein Blau nach CMYK anlegen. In Ihrem Farbatlas oder im Offsetdruck sehen Sie ein wunderschönes Dunkelblau. Jetzt lassen Sie es digital produzieren und plötzlich ist es lila, alle anderen Farben und die Anmutung der Bilder ist aber so wie Sie es haben wollten.

Das Blau jetzt anzupassen ist extrem aufwändig. Wenn Sie das Blau aber als Sonderfarbe anlegen (z.B. MeinBlau), kann ihr Produzent die Werte einfach im Rip anpassen, ohne das nochmal an den Daten gebastelt werden muss.

Topics: Insider, tipps

Lösungen - Der DOMMER Blog

Hier dreht es sich mal nicht ausschließlich um unsere Produkte, sondern wir geben Ihnen Tipps, Tricks und Erfahrungen zu ganz unterschiedlichen Themen:

Subscribe Here!

Recent Posts